Ein kleines Wunder erblickt die Welt
Mein Sohn Nr. 1: er ist heute 10 Jahre alt, hat bereits seit der Geburt Kontakte mit Krankenhäusern, Kinderzentren, Frühförderstellen, Therapeuthen, Sozialpädiatrischen Zentren und Psychologen. => eine gesunde Entwicklung !?!
Geburt:
Spontangeburt in der 35. SSW, nachdem ich bei den ersten Wehen ins Krankenhaus ging, wurde er 2 Tage lang mit der Begründung eine "Lungenreife" durchzuführen künstlich gehalten. Nachdem diese Medikamente (Herzrasen und Unruhe bei mir auslösend) abgesetzt wurden, setzten sofort die Wehen wieder ein und die Geburt begann. Ich wurde gespritzt und geschnitten, obwohl es dafür keine Einwilligung gab. Mein Kind wurde gleich nach der Geburt in die Neugeborenen-Intensivstation verlegt und mit Antibiotikum versorgt, da, so sagte man uns, meine Blutwerte nicht optimal waren und man ihn überwachen wolle. Ansonsten wäre er soweit fit, um eigentlich bei mir zu bleiben.
Lt. Entlassungsbericht der Klinik in Starnberg wurde über eine Einleitung der Geburt gesprochen??? wegen Verdacht auf Amnioninfektionssyndrom.
Als leicht zu verunsichernde Erstgebärende ist man um jeden Rat und jede Hilfestellung dankbar und hält sich entsprechend der Empfehlungen für Impfungen und Untersuchungen natürlich an die Vorgaben der Ärzte und (meist) mit im Boot sitzenden Pharmaunternehmen. So auch ich. Die Impfungen wurden entsprechend vorgenommen.
Es folgt eine gesunde Entwicklung, vollgestillt (fast ein Jahr lang), holt er sein "Soll"- Gewicht im Vergleich zu anderen Kindern Rucki-Zucki auf. Wir besuchen Babymassage- und Babyschwimmkurse, haben Kontakt zu einer Gruppe Müttern, die fast alle zur gleichen Zeit entbunden haben, und die Stillgruppe aus der noch immer sehr schöne Erinnerungen hängengeblieben sind.
Ein wundervoll geflochtenes Netz.
Dann folgen Arztbesuche, andenen wir erfahren, daß das Kind nicht richtig zu hören scheint. Weitere Untersuchungen folgen. Panikmache, ob die Entwicklung des Hörvermögens gestört ist. Das eine Ohr ist äußerlich ein bisschen anders ausgebildet. Nach der Diagnose der Schallleitungsstörungen entscheiden wir uns zu dem Schritt einer OP - die erste Operation steht mit einem Jahr an (Paukendrainage beidseitig, Polypen) - es folgen weitere - jede läßt das Kind zurückbrechen. Das Hörvermögen ist danach wesentlich besser, aber das Kommunikationsverhalten hat bereits zu dieser Zeit Entwicklungsdefizite. Er sucht nicht unbedingt Kontakt zu anderen Kindern. Spielt viel für sich alleine und ist sehr zufrieden damit.
Zudem zeigt er körperliche Bewegungseinschränkungen, die Kopfhaltung, die durch Krankengymnastik gestärkt werden soll. Er macht gute Fortschritte. Wir befinden uns ständig bei Therapeuten und Ärzten zur Kontrolle und um keine Hilfe zu versäumen.
...in Arbeit...
...in Arbeit...
Diagnosestellung seitens des SPZ: Atypischer Authismus
Zusatzdiagnose von mir: verkappter technischer Perfektionist mit Eigenbrödlerdasein
Für die Dezentrale Förderschule, die ihn in der Schule begleitet, Grund genug uns dringend anzuraten ihn in die tägliche Nachmittagsbetreuung der Heilpädagogischen Hilfe bis Abends zu geben und dies durch die Unterstützung des Jugendamtes zu erwirken. Es würde ihn dort ein sozial hochstrukturierter Rahmen gesteckt werden. Den wir "anscheinend" nicht in der Lage sind zu erbringen. Wir stimmen widerwillig in den Antrag auf finanzielle Unterstützung seitens des Jugendamtes ein, damit uns nicht irgendwann vorgehalten werden kann, wir würden es unterlassen, uns um das Wohl unseres Sohnes zu bemühen.
Dieses Kind ist sehr begabt, seine Ideen und konkreten Pläne (Achterbahnen und Freizeitparks) auf entsprechende PC Animationsprogramme umzusetzen. In seinem Umfeld gibt es kaum/keine Kinder die dies vergleichbar zu leisten in der Lage sind. Dabei hat er sich diese Dinge meistgehend selbst erarbeitet. Er besitzt fachbezogen ein so intensives Wissen, daß man schon von einem kleinen Professor sprechen könnte. Diesbezüglich saugt er förmlich jede neue Information auf. Jedoch fehlen ihm diverse Grundfähigkeiten (die eigentl. gerade in der Kindergartenzeit hätten gestärkt werden können) wie z.B. das Umsetzen dieser Gedanken vernünftig auf Papier zu bringen um später daraus Pläne zu gestalten. Zu dieser Zeit befand er sich über zwei Jahre in Ergotherapie, wo gerade diese Defizite aufgefangen werden sollten. Ihm fehlt generell oft das nötige Durchhaltevermögen, da er selbst feststellt, daß seine Fähigkeiten eingeschränkt sind. Er traut sich dann vieles nicht zu. Das begleite ich heute stetig, mit viel Ruhe und zeige ihm z.B. Tricks, wie man etwas darstellen kann. Es besteht eine große räumliche Vorstellungskraft. Er kann sich sehr gut in verschiedene Perspektiven hineindenken. Aber nur durch ständiges Ermutigen ist eine Leistung zu erwirken - Wie kann man dies stärken, liebe Fachleute? Als Eltern erbitten wir uns hierbei Hilfe. In unserem Falle geht wenig mit - Kind leistet freiwillig - würde er gerne tun, wenn er´s umsetzen könnte - Anleitung tut Not. Wenn er seine Fähigkeiten nicht ausleben und zeigen kann, verfällt er in "seine Welt" und wird verhaltensbetont auffällig. Ein ewiger Kreislauf.
Er ist und bleibt mein Kind für das es zu Leben und zu Kämpfen für ein Leben in der Familie lohnt.